Wie ich meinen allerersten Auftrag bekommen habe


Foto: Daniel Msirikale

Nachdem ich meinen Job gekündigt habe, bin ich am 15. Oktober 2015 mit One-Way-Ticket in den Flieger nach Tansania gestiegen. Die Mission für das nächste Jahr: Der Aufbau eines unabhängigen Lifestyles als Freelancer, der es mir ermöglicht nie wieder in ein reguläres Angestelltenverhältnis zurückkehren zu müssen und jeden Tag mit einem Lächeln im Gesicht aufzustehen.

Einen konkreten Anlaufspunkt, einen ersten Auftrag oder ähnliches gab es nicht. Nur ein paar gute Ideen und das Vertrauen, dass schon alles gut wird.

Genau einen Monat später, am 15. November, hatte ich meinen ersten Auftrag. Ich durfte eine arabische Hochzeit in Dar es Salaam fotografieren und es war großartig und außerdem gut bezahlt. Kurz darauf folgten weitere kleine Aufträge aus verschiedenen Ecken und dann am 01. Dezember die Zusage für einen etwas größeren Auftrag als Swahili-Übersetzerin für ein Forschungsprojekt.

Da es mich selbst immer brennend interessiert, wie andere Menschen ihr Leben auf die Reihe kriegen, möchte ich hier ganz offen erzählen wie es dazu kam. Du solltest aber keinen Hokuspokus erwarten ;)

 

Phasen der Angst

Du glaubst ich wäre einfach mal lockerflockig in den Flieger nach Tansania gestiegen. Falsch gedacht! Ich hatte verdammt Schiss.

Die Tage vor meinem Abflug waren relativ stressig und ich hatte wenig Gelegenheit über die Entscheidung nachzudenken, die ich getroffen hatte. Meine Sachen waren gepackt, letzte Besorgungen und Bürokratieangelegenheiten erledigt, meine Wohnung in Berlin erfolgreich untervermietet.

Als ich letztendlich mit Sach und Pack im Flieger saß, und dann am nächsten Morgen in Dar es Salaam, Tansania, landete, da kamen langsam die Zweifel und Ängste. „Sophie, was machst du hier eigentlich?“

Die letzten kleinen Geldbeträge gingen auf meinem Konto ein. Ab jetzt lebe ich nur noch von meinen knapp 10.000€ Ersparnissen. Weitaus genug um nicht gleich in Panik zu geraten. Aber auch 10.000€ werden immer weniger und die Frage ist wie man seine Zeit und Ersparnisse am sinnvollsten investiert, dass am Ende nicht alles weg ist, sondern es auch wieder mehr wird.

Manchmal lag ich nachts wach und hatte Panik. Was ist, wenn ich es nicht packe? Wenn mein Geld alle ist, ohne dass ich etwas Bedeutendes aufgebaut habe? Wenn mich die Angst davor zurückhält mich richtig zu vermarkten? Und ich deswegen zurück in mein altes Leben muss? Was sind die nächsten Schritte? Wen kann ich wie gezielt angehen?

 

Die drei entscheidenden Kriterien

1. Gute Vorbereitung

Den Sommer in Berlin habe ich vor allem damit verbracht mein Vorhaben vorzubereiten. Ich habe eine Website mit allen meinen Dienstleistungen erstellt, eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account eröffnet und regelmäßig geupdated, Visitenkarten gedruckt und in das richtige Equipment für meine Arbeit investiert.

Als eines der größten Fotostudios hier in Dar es Salaam eine weibliche Fotografin für einen Shoot gesucht hat, mussten sie einfach nur einen Blick in mein Portfolio werfen um zu sehen, ob ich geeignet bin oder nicht. Als ich über Kontakte eine Anfrage für einen Übersetzungsauftrag bekam, konnte ich der Person einen Link zu meiner Website zusenden – auf der sie genau das gefunden hat, wonach sie suchte.

Es ist unglaublich welche Wirkung die bloße Erstellung einer Website oder das Verteilen von Visitenkarten hat: Nämlich die, dass man einen professionellen Service anbietet, auch wenn man vielleicht noch gar nichts gemacht hat.

In beiden Fällen war diese kleine Vorarbeit das entscheidende Kriterium dafür, dass ich den Job bekommen habe.

 

2. Netzwerken, netzwerken, netzwerken…

Aber woher kamen denn jetzt eigentlich die Anfragen? Aus meinem Netzwerk!

Die Anfrage für den Shoot kam von einem Fotostudio, bei dem ein guter Freund von mir gerade hin und wieder aushilft. Den wiederum kenne ich ursprünglich aus der tansanischen Fotografengruppe auf Facebook. Ich hatte ihn dort vor ein paar Wochen mal angeschrieben und ein Treffen vorgeschlagen, weil ich seine Fotos so interessant fand und wir haben uns angefreundet.

Die Anfrage für die Übersetzungen kommt über ganz viele Ecken. Eine Freundin, die ich aus unserer gemeinsamen Zeit in Tansania kenne, hat bei einer Firma in Ostafrika gearbeitet, wodurch ich mit einigen der Mitarbeitern in Kontakt gekommen bin, die mich wiederum weiterempfohlen haben.

Was lernen wir daraus? Netzwerken ist das A und O! Damit meine ich weniger, dass man so viele Visitenkarten wie möglich versucht einzusammeln oder sich nur mit Leuten unterhält, weil man denkt, dass sie einem weiterhelfen können.

Damit meine ich in erster Linie, dass man selbstbewusst präsentiert, womit man sein Geld verdient (oder verdienen will) auch wenn man noch am Anfang steht.

 

3. Proaktiv sein und positiv denken

Und da sind wir auch schon beim letzten Punkt. Sei proaktiv!

Erzähle so vielen Menschen wie möglich davon was du machst! Auch deinen Freunden, Bekannten, Familienmitgliedern, Ex-Kollegen, dem netten Sitznachbarn im Flugzeug usw.

Vernetze dich mit Gleichgesinnten. Das sind je nach Branche Gruppen auf Xing oder Linkedin oder eben auf Facebook.

Geh auf Leute zu, denen du womöglich bei der Lösung ihrer Probleme helfen kannst.

Nimm an Events teil und versuche dich dort mit anderen auszutauschen. In Dar es Salaam verbringe ich die meiste Zeit damit mich auf Veranstaltungen ’sehen zu lassen‘ und mit neuen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Investiere ein wenig Zeit, es wird sich auszahlen. Ich habe zum Beispiel ehrenamtlich für eine NGO in Dar es Salaam fotografiert, einer dänischen Künstlerin bei einem Video geholfen und für einen tansanischen Dokumentarfilmer Untertitel eingepflegt. Damit habe ich zwar kein Geld verdient, aber ich habe gute Referenzen bekommen und es sind viele Menschen auf mich und meine Arbeit aufmerksam geworden.

Habe keine Angst davor erfahrene Menschen um Rat zu fragen und dir Feedback einzuholen.

Beantworte Anfragen so schnell wie möglich.

Und lass dich nicht davon abschrecken, wenn nicht aus jeder Anfrage ein Auftrag wird. Ich hatte viele vielversprechende Anfragen, bevor es tatsächlich etwas geworden ist. That’s business! Einfach positiv denken und weitermachen.

 

Ein super Team: Khadija, Klaire und ich als Foto- und Videografen auf einer arabischen Hochzeit in Dar es Salaam.

 

Meine nächsten Schritte

Der erste Auftrag hat etwas ins Rollen gebracht. Seitdem hatte ich einen zweiten Shoot, habe einen bezahlten Auftrag für das Subtitlen eines deutschen Filmes und weitere Anfragen, die aber noch nicht fix sind.

Aktuell sieht es so aus, als würde sich alles genau in die Richtung bewegen, in die ich immer wollte! Denn mir war immer klar, dass sich meine Arbeit aus verschiedenen Aspekten zusammensetzen muss, damit ich glücklich bin. Es ist unfassbar, dass genau das gerade passiert und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Das klingt natürlich alles toll, aber wenn man es genau nimmt, kann ich mir von den ersten kleinen Erfolgserlebnissen noch nicht mein Leben finanzieren (zumindest nicht in Deutschland).

Ich hatte gerade jetzt am Anfang Glück: Die Aufträge haben sich über meine Kontakte ergeben und musste keine Klinken putzen gehen. Darauf will ich mich aber nicht weiterhin verlassen.

Deshalb will ich im nächsten Schritt gezielt Unternehmen und Personen angehen, die meine Dienstleistungen brauchen und bereit sind dafür bezahlen. Da ich alles andere als eine Sales-Sau bin, wird das für mich sicher eine große Herausforderung. Aber sonst wächst man ja auch nicht über sich hinaus.

 

Mein Fazit

Es lohnt sich zu springen! Ich hatte am Anfang furchtbar Angst zu scheitern und sicher wird es auch wieder Momente der Angst geben.  Aber Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Die Entscheidung meinen Job zu kündigen und nach Tansania zu gehen, war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es geht immer weiter, und wenn man es noch nicht geschafft hat, ist die Reise eben noch nicht zu Ende.

Angst kann übrigens auch eine gute Faust im Nacken sein ;)

Wovor hast du am meisten Angst? Was ist deine größte Herausforderung? Wie bist du an deinen ersten Job gekommen? Ich freue mich, wenn du deine Ideen oder Fragen mit mir teilst :)

3 thoughts on “Wie ich meinen allerersten Auftrag bekommen habe

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