Wie entstehen eigentlich Freundschaften?

Freundschaften

In den letzten Monaten hat sich mein Leben um 180 Grad gedreht. Ich habe meinen Job gekündigt, ein One-Way-Ticket nach Tansania gebucht und die Entscheidung getroffen mich selbstständig zu machen.

Dabei gab es Menschen, die mich unterstützt und ermutigt haben. Es gab Menschen, bei denen ich gemerkt habe, dass uns vielleicht gar nicht mehr so viel verbindet, dass sie meine Träume nicht wirklich nachvollziehen können. Und es gab neue Menschen, die erstaunlich gut in meine neue Lebensphilosophie gepasst und mich inspiriert haben.

 

Menschen kommen und gehen…

Manchmal habe ich gemerkt, dass mir der Kontakt zu bestimmten Menschen mehr Energie nimmt als zurückgibt. Dann habe ich mich eher zurückgezogen und bin auf Abstand gegangen. Trotzdem stellt man sich die Frage: Wir haben uns doch immer gut verstanden, warum jetzt nicht mehr?

Vor zwei Jahren habe ich nachts in München einen Typen auf dem Nachhauseweg kennengelernt. Wir haben über Freundschaften gesprochen und wie sich diese im Laufe des Lebens verändern. Er sagte einen Satz, den ich bis heute sehr treffend finde:

„Früher waren unsere Freunde die, die sich die gleichen Fragen gestellt haben. Heute sind es die mit den gleichen Antworten.“

Irgendwie stimmt das schon. Ich kenne meine beste Freundin seit 13 Jahren. Ich würde nicht sagen, dass unsere Leben aktuell sehr ähnlich sind. Aber wir haben so viele gemeinsame, verrückte Erinnerungen und haben die verschiedensten Phasen zusammen durchlebt. Wir wissen genau wo wir herkommen, wo unsere Reise anfing. Und das verbindet uns.

Neue Freundschaften sind in den letzten Jahren vor allem mit Menschen entstanden, die mir in ihren Interessen oder Lebensauffassungen ähnlicher waren. Aber können diese neuen Freundschaften, überhaupt wieder so intensiv werden?

 

Wenn man immer unterwegs ist und versucht neue Freundschaften zu knüpfen

Wenn ich es mir recht überlege, habe ich in den letzten Jahren nicht wirklich viele neue, tiefgehende Freundschaften geknüpft. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, mich mit manchen über einen längeren Zeitraum gut verstanden, Feierabendbierchen usw.

Und dann hat es sich wieder zerlaufen oder ich bin mal wieder ins Ausland gegangen, oder die andere Person ist ins Ausland gegangen und der Kontakt ist irgendwann abgebrochen. Mit vielen bin ich nie so richtig über dieses Stadium hinausgekommen. Der harte Kern ist aber weitesgehend geblieben. Woran liegt das?

 

Wir brauchen gemeinsame Erinnerungen

Die Menschen, die ich heute als sehr gute Freunde bezeichnen würde, sind in erster Linie Menschen, mit denen ich gemeinsame Erinnerungen verbinde. Und damit meine ich nicht Kaffee trinken oder feiern gehen.

Die verrückte und endlose Nacht in Leipzig, die meine Mutter am nächsten Tag auf ihrer Mailbox hatte. Als wir heimlich zu dritt nackig unter der Personaldusche im Parkhaus standen und plötzlich der Wärter reinkam. Die letzte chaotische Nacht auf Zanzibar, gefolgt von Kotzen auf der Fähre und aufgeschlagenen Knien.

Als wir einen Spaziergang vor meiner Haustür machen wollten und plötzlich durch ganz Berlin bis zum Flughafen gelaufen sind. Gemeinsam durchlebte Höhen und Tiefen in einem Land weit weg von zu Hause. Nächtliche verheulte Telefonate. Die völlig ungeplante Jamsession, die mit dem Konzept für ein Musikvideo endete.

Es sind diese Erlebnisse jenseits des Alltags, die mich bestimmten Menschen näher gebracht haben. Die dazu geführt haben, dass man sich auf einer ganz anderen Ebene kennengelernt hat. Nicht nur schöne Momente, sondern auch herausfordernde Situationen.

Natürlich kann man gemeinsame Erinnerungen nicht kreieren oder erzwingen. Aber man kann Raum dafür schaffen. Anstatt sich immer nur in der selben Bar zu treffen und sich die Updates seit der letzten Verabredung durchzugehen, kann man auch mal etwas anderes, vielleicht etwas verrücktes machen.

Eine Fahrradtour ohne Ziel, eine Schneeballschlacht, eine Nacht am See, auf einen Baum klettern, beieinander übernachten. Spontan sein, auch wenn man vielleicht müde ist und gerade ins Bett gehen wollte. Meistens sind die besten Erlebnisse die, die man nicht geplant oder an die man keine großen Erwartungen hatte.

 

Stelle keine zu hohen Erwartungen an deine Freunde

Im letzten halben Jahr habe ich mich oft gefragt, ob mich und meine alten Freunde eigentlich noch viel verbindet. Ob wir überhaupt verstehen in welcher Welt die andere Person gerade lebt. Ob ich meine Gedanken, Ängste, Wünsche überhaupt mit ihnen teilen kann.

Ja, es gibt Menschen, mit denen ich mittlerweile weniger oder gar nichts mehr zu tun habe. Weil man einfach keinen kleinsten gemeinsamen Nenner mehr hatte.

Trotzdem möchte ich ja nicht mit mir selbst befreundet sein und finde es total ok, wenn meine beste Freundin nicht viel zu meinen Businessplänen zu sagen hat, aber wir dafür stundenlang über unseren Herzschmerz reden können.

Man muss nicht alles mit allen teilen können. Ich glaube wichtig ist, dass man sich gegenseitig respektiert, sich ermutigt und ungefähr die gleichen Werte teilt. Und vor allem keine Forderungen stellt.Dass man sich so nimmt wie man ist.

Ich bin unglaublich dankbar. So dankbar für die lieben Menschen in meinem Leben, die langjährigen aber auch die neuen Begegnungen. Ich bin dankbar dafür, dass sie mich ermutigen, unterstützen, inspirieren, sich für mich freuen, für mich da sind, egal wie viele Kilometer uns trennen. Ich hab euch lieb!

 

Was denkst du zum Thema Freundschaften? Welche Veränderungen hat dein Freundeskreis in den letzten Jahren durchlebt und wie bist du damit umgegangen, wenn du gemerkt hast, dass es ’nicht mehr passt‘? Was glaubst du ist eine Geheimzutat für die Entwicklung einer neuen Freundschaft? Ab in die Kommentare damit :)

6 thoughts on “Wie entstehen eigentlich Freundschaften?

  • Dezember 1, 2015 at 2:42 pm
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    Hallo Sophie!

    Super toller Beitrag! Und du sprichst mir aus der Seele!

    Viele meiner besten Freunde haben kürzlich angefangen zu arbeiten und sind mit ihren Partnern zusammen gezogen. Ich bin immer noch am studieren, Single und reise um die Welt. Erst kürzlich war ich mit einigen von ihnen beim Essen und sie redeten darüber, wie sesshaft sie sich schon fühlen. „Früher wollte ich immer mal eine Weltreise machen oder mal 2 Jahre im Ausland arbeiten. Jetzt fühle ich mich eigentlich wohl hier und will gar nicht mehr weg. Ich hab doch hier alles.“ Und ich sitze da und schweige einfach, weil ich gar nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Als dann auch noch zur Sprache kam, wie schön doch eine Doppelhaushälfte in der Nähe von Wasserburg wäre, war ich komplett raus.

    Anstatt nach dem Essen noch in eine Bar weiterzuziehen, sind wir alle um 22 Uhr nach Hause gegangen. An einem Freitag. Weil die Woche ja so anstrengend war.

    Ich liebe meine Freunde und es verbindet uns so vieles. Und das kann uns auch niemand nehmen. Im Moment allerdings fühle ich mich unter Gleichgesinnten wohler. Leute, die verstehen, warum es mich in die Ferne zieht und meine Träume und Ängste teilen.

    Meiner Meinung nach sind beide Arten von Freundschaften sind wichtig. Die neuen brauchst du, aus oben genannten Gründen. Die alten bringen dich zurück auf den Boden. Du kannst du sein. Du findest zu deinen Wurzeln zurück. Sie geben dir Sicherheit.

    Ich finde es super, dass du Freundschaften einen ganzen Artikel gewidmet hast. Sind sie doch – zusammen mit der Familie – das, was dich im Innersten zusammen hält.

    Ganz liebe Grüße
    Mimi

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    • Dezember 2, 2015 at 5:33 am
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      Liebe Mimi,
      danke für deinen Beitrag!

      Ich kenne das Gefühl, was du beschreibst auch ganz gut. Manchmal fühlt man sich einfach total fremd unter Menschen, denen man eigentlich so nahe steht! Aber ich habe gelernt, für das dankbar zu sein, was mir diese Freundschaften geben und nicht permanent zu fordern. Sich so zu akzeptieren wie man ist. Menschen entwickeln sich nunmal weiter, und wahrscheinlich haben genau die selben Menschen ähnliche Gedanken über uns: „Warum wird sie einfach nicht erwachsen? Warum sucht sie sich keinen richtigen Job und macht was aus sich?“

      Deswegen finde ich es superwichtig, dass man sich gegenseitig respektiert und ermutigt, versucht nicht zu urteilen, auch wenn man nicht immer persönlich nachvollziehen kann, in welche Richtung sich das Leben der anderen Person entwickelt. Anstatt sich zu fragen, warum um Himmels willen die jetzt schon alle Kinder kriegen und zusammenziehen, kann man sich ja auch einfach darüber freuen, dass sie scheinbar darin gerade ihr Glück gefunden haben. Es ist ja auch eine bewusste Entscheidung, die sie treffen und ähnlich wie eine Weltreise eine extreme Herausforderung in einer ganz anderen Dimension, die auch wiederum Respekt verdient hat.

      Schön, dass du auch auch neue Gleichgesinnte gefunden hast, mit denen du dich umgeben und austauschen kannst :) Das ist manchmal nämlich gar nicht so einfach und so ein großes Geschenk.

      Ganz liebe Grüße
      Sophie

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  • Januar 7, 2016 at 3:11 pm
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    Hallo! Ein sehr treffender Beitrag! Es ist einfach so, dass nicht jede Freundschaft ewig halten kann, Menschen entwickeln sich einfach mit der Zeit, aber man findet ja auch immer wieder neue Dinge, die einen begeistern, neue Länder, neue Menschen, ständig ändert sich etwas ^^ …trotzdem liebe Grüße aus st. walburg ! ;) Und danke für dem Beitrag! Lena

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    • Januar 15, 2016 at 7:13 am
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      Liebe Lena,
      danke für deinen Kommentar :) Genau, das Leben ist wie eine Reise und manche Menschen sind eben von Anfang bis Ende mit dabei und andere steigen zwischendurch aus. Und neue wieder ein :)
      Ganz liebe Grüße
      Sophie

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  • Januar 19, 2016 at 2:55 pm
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    Hallo! Irgendwie trifft einen dieses Thema immer und immer wieder :/…Man muss sich einfach daran gewöhnen und lernen, das man sich nun mal nicht auf jden Menschen verlassen kann. Vielleicht sollte man dann auch einfach mal einplanen, dass sich auch nicht jeder auf Dich verlassen soll…;)…wenn ich solche Probleme habe hilfr mir eig immer Sport^^… aber da ist jeder anders ;)…LG und noch einen schönen Tag Dir!

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    • Januar 29, 2016 at 6:26 am
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      Hey Lena,
      ja ich glaube das Geheimnis liegt auch darin nicht immer so viel zu erwarten, sondern sich über das zu freuen, was man bekommt. Natürlich sollte eine Freundschaft aber auch nicht einseitig sein. Dann muss man eben schauen, ob das einem überhaupt noch gut tut. Und ja, Sport finde ich auch immer eine klasse Ablenkung, egal was mich gerade stresst :)
      LG Sophie

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