So fühlt sich der Freelancer-Lifstyle an

Seit ich im Juli aus Tansania zurückgekommen bin und mir einen Plan davon gemacht habe, wie es mit mir weitergeht, versuche ich jeden Tag so gut es geht zu nutzen, um meinen Vorhaben näher zu kommen.

Meine Todo-Liste ist unglaublich lang und mit den meisten Aufgaben verdiene ich nicht einen einzigen Cent. Sie sind lediglich der Grundstein für alles weitere.

An so manchen Sommertagen saß also auch ich in den letzten Wochen mit meinem Macbook in diversen Kreuzköllner Cafés und arbeitete.

Aber wie fühlt sich dieser neue Lifestyle an? Gibt es auch Schattenseiten?

 

1. Das Bedürfnis danach etwas zu tun kommt irgendwann von ganz alleine

Dass ich lange Zeit so viel Angst vor der Selbstständigkeit hatte, lag vor allem daran, dass ich wusste wie faul ich sein kann. Wie gerne ich Dinge vor mir herschiebe. Wie oft ich Sachen nicht gebacken kriege, wenn nicht der nötige Druck dahinter ist.

Am Anfang war das eine ziemliche Herausforderung mit so viel Freiheit auf einmal umzugehen. Bei komplett flexibler Zeiteinteilung wird man natürlich auch schnell schwach, und schiebt Aufgaben auf den nächsten Tag.

Mit der Zeit kam das Bedürfnis wieder eine Aufgabe zu haben aber von ganz allein. Dann habe ich mir den Laptop geschnappt, mich in der Bibliothek verkrochen und war superglücklich, wenn ich mit etwas weitergekommen bin.

Dass das Geld auf meinem Konto immer weniger wurde war natürlich auch sehr hilfreich.

 

2. Struktur ist wichtig (aber man darf auch von ihr abweichen ;) )

Mit der Zeit habe ich es aber geschafft, mir einen Rhythmus zu schaffen.

Erstmal überlege ich mir Wochen- und Tagesziele und schaue worauf ich mich gerade am dringendsten fokussieren muss.

So laufen viele meiner Tage aber auch nicht jeder ab:

Ich versuche so früh wie möglich aufzustehen. Mein Wecker klingelt um 6 oder spätestens um 7. Nach einem kleinen Frühstück gehe ich ein bisschen laufen.

Das schöne am Home-Office ist: Man kann sofort anfangen zu arbeiten und verschwendet keine Zeit mit Bahnfahrten und damit, das richtige zum Anziehen zu finden.

Bis 14 Uhr versuche ich mit den anspruchsvollsten Sachen durch zu sein.

Da ich nachmittags sowieso immer ein kleines Konzentrationstief habe, nutze ich die Zeit um mich zu entspannen, spazieren zu gehen oder etwas zu kochen.

Nachmittags habe ich dann meistens nochmal einen kleinen Schub, in dem ich gut was schaffe.

Verabredungen lege ich auf den Abend, so ab 18 Uhr – wie nach einem normalen Arbeitstag. Wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt, aber genau das ist ja das schöne an der freien Zeiteinteilung.

 

3. Freie Zeiteinteilung ist geil!

Grundsätzlich genieße ich es gerade extrem mir meine Zeit selbst einzuteilen. Kein Tag muss wie der andere sein.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass es nicht an mir vorbeizieht und ich die volle Kontrolle habe. Das hatte ich noch nie. Einfach unglaublich.

Wenn die Sonne scheint, kann ich zum Beispiel einfach rausgehen und an der Spree entlangschlendern. Wenn ich mal einen Termin habe, muss ich keinen Urlaubstag dafür nehmen. Was ich wirklich ganz großartig finde: Ich entscheide, wann ich esse und wie viel Zeit ich mir dafür nehme.

Wenn ich mal tagsüber nicht fertig geworden bin, setze ich mich auch abends nochmal ran. Da ist meine Konzentration teilweise sehr gut und ich habe nochmal richtig gute Ideen.

Neulich hat mir eine Freundin geschrieben, der es nicht gut ging. Ich bin spontan einmal quer durch die Stadt gefahren und habe mit ihr Mittag gegessen. Eine andere Freundin war gerade in Berlin auf der Durchreise und hat mich für zwei Stunden zu Hause besucht. Wir haben Musik gemacht und schön gequatscht.

Trotzdem habe ich an diesen Tagen alles geschafft, da ich es einfach danach erledigt habe. Das ist das schöne: Mir schreibt niemand mehr vor wann ich produktiv sein muss!

 

4. Die richtige Arbeitsumgebung steigert die Produktivität

Ganz wichtig ist es für mich auch, an verschiedenen Orten zu arbeiten. Das ist manchmal einfach nur der Küchentisch statt der Schreibtisch oder eben die Uni-Bibliothek oder ein Café.

Es motiviert mich andere Menschen um mich herum zu sehen, die auch fleißig arbeiten. Deshalb schaffe ich woanders meistens mehr als zu Hause. Das war schon in der Uni so.

Allgemein tut es auch mal gut, nicht den ganzen Tag zu Hause zu verbringen und einen kleinen ‚Arbeitsweg’ zu haben auf dem man Musik hören, Fahrrad fahren oder lesen kann. Dann freut man sich richtig darauf, nachmittags nach Hause zu kommen.

Aber sowas ist auch bei jedem anders.

 

5. Als Freelancer ist man manchmal ziemlich einsam

Diesen Punkt hatte ich wirklich unterschätzt. Freelancing, Ein-raum-Wohnung und Single-Dasein. Das war zwischendurch ein bisschen viel auf einmal, obwohl ich grundsätzlich ein Mensch bin, der es liebt Zeit mit sich selbst zu verbringen.

Es ist nur einfach ungewohnt jeden Tag vor sich rumzurödeln ohne dafür Anerkennung oder Feedback zu bekommen. Denn die Dinge, die ich gerade vorbereite mache ich in erster Linie nur für mich.

Ganz wichtig ist also: Sich unbedingt ein Hobby suchen, damit man regelmäßige Termine hat, auf die man sich freuen kann. Für mich geht’s jetzt jeden Dienstag zum Acro Yoga.

Am besten ist es natürlich jemanden zu haben, der ähnlich arbeitet und mit dem man sich austauschen und gegenseitig motivieren kann.

So haben meine Freundin Anna und ich uns zum Beispiel eine Challenge überlegt: Ein Jahr lang ein Blogpost pro Woche. Der Verlierer zahlt einen Kurzurlaub.

 

6. Sich mit den richtigen Menschen umgeben ist extrem wichtig

In Berlin hatte ich das Gefühl, mit meinen ganzen Gedanken und Ideen alleine dazustehen.

Die meisten meiner Freunde sind gerade in ganz anderen Phasen. Noch in der Ausbildung oder im Studium, zufrieden im Job oder unzufrieden im Job und noch nicht bereit andere Wege zu gehen.

Es gibt Momente, da zweifelt man plötzlich an dem, was man gerade macht. Und weiß nicht so richtig wohin mit sich.

Ich versuche mich so gut es geht mit Menschen zu umgeben, die mir ein gutes Gefühl geben. Die mich ermutigen, ihre Erfahrungen teilen oder ich mich einfach gegenseitig austauschen kann.

Von dieser Sorte Kontakte habe ich momentan um die drei, vier, die ich regelmäßig sehe. Wenn ich einen Hänger habe, hilft mir das total um zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es könnten aber natürlich auch noch mehr sein.

Ein guter Weg um auf die richtigen Menschen zu stoßen, ist der Besuch von Meetups! Gerade in Berlin gibt es unzählige zu den verschiedensten Themen. So war ich kürzlich auf dem Bloggerstammtisch, wo ich mit einigen Gleichgesinnten ins Gespräch kam.

 

7. Muffensausen gehört dazu!

Es gibt Tage, an denen habe ich unglaublich Schiss. Ich stehe auf und frage mich, was ich da eigentlich gerade treibe. Ich merke, dass mein Geld immer weniger wird.

Gleichzeitig ist es ein sehr aufregendes Gefühl, wie im freien Fall bei einem Fallschirmsprung: Das Gefühl von Angst gepaart mit dem Gefühl von absoluter Freiheit.

Ich glaube, ich habe mich noch nie in meinem Leben so frei gefühlt. Mein Studium ist fertig. Ich bin Single. Ich habe endlich meinen Führerschein in der Tasche. Im Grunde kann ich gehen wohin ich will.

Ob ich mit meinen Ideen wirklich Erfolg habe, hängt ganz allein von mir ab. Nur von mir. Und genau das ist wahrscheinlich auch manchmal so beängstigend…

Was sind für dich Vorzüge und Herausforderungen als Freelancer? Wie gehst du damit um? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

2 thoughts on “So fühlt sich der Freelancer-Lifstyle an

  • Oktober 8, 2015 at 10:17 am
    Permalink

    Hi Sophie,
    mit vielen dieser Punkte kann ich mich total identifizieren! An meinem Tagesablauf arbeite ich gerade und bin noch ein bisschen auf der Suche nach der richtigen Aufteilung. Manchmal fällt es mir super schwer, konzentriert und dafür kürzer zu arbeiten und überhaupt den Laptop mal entschieden zuzuklappen. Und das mit der Einsamkeit habe ich auch unterschätzt und war überrascht, wie sehr mir meine Kollegen und der tägliche, wenn auch meistens oberflächliche Kontakt zu den gleichen Menschen gefehlt hat.

    Ich habe festgestellt, dass ich in Cafés super gut arbeiten kann, weil ich mich schlecht fühle, wenn ich dort länger als ca. 1-1,5h bleibe, ohne etwas neues zu bestellen. Also muss ich in der kurzen Zeit richtig was schaffen, damit es sich gelohnt hat.

    Ich bin gespannt, was ich auf deinem Blog noch alles entdecke :)

    Schöne Grüße!

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  • Oktober 8, 2015 at 3:17 pm
    Permalink

    Danke liebe Michelle für deinen Kommentar!
    Ja, es ist gar nicht so leicht den richtigen Rhythmus zu finden, ich experimentiere da auch noch. Und das mit dem konzentrierten Arbeiten kenne ich so gut. Manchmal vergeht ein ganzer Vormittag und ich frage mich, was ich eigentlich gemacht habe und dann schaffe ich in ein, zwei Stunden richtig viel :)
    Ganz liebe Grüße,
    Sophie

    Reply

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