Mit dem Zug durch Tansania – die TAZARA-Line

Wenn ich mich für eine Art des Reisens entscheiden müsste, dann wäre es wohl Zug fahren. Am Fenster sitzen, die Landschaften an sich vorbeiziehen sehen und die Gedanken schweifen lassen. Und das Ganze dann noch in Tansania!

Die TAZARA-Line verkehrt zweimal die Woche zwischen Dar es Salaam und Kapiri Mposhi in Sambia. Die Fahrt dauert zwei Tage und führt durch viele verschiedene Landschaften, unter anderem durch den Mikumi Nationalpark in Tansania. Wenn man Glück hat, sieht man also auch Giraffen und Elefanten.

 

 

Im Sommer 2012 war die Fahrt mit der TAZARA für mich der Anfang einer ganz verrückten Reise durchs südliche Afrika. Ich hatte gerade einen Monat an der Uni auf Sansibar studiert und eigentlich einen Rückflug von Nairobi aus nach Berlin.

Als ich von der TAZARA hörte, entschied ich mich spontan für die Zugfahrt. Ich fuhr zur TAZARA Station in Dar es Salaam um ein Ticket im Schlafwagen für den nächsten Tag zu kaufen.

Ich hatte Glück: Es gab noch genau ein Ticket. Ich denke, das war Schicksal :) Ich ahnte noch nicht im Geringsten, was mich auf dieser Fahrt erwarten würde.

Am nächsten Tag fand ich mich nachmittags am Bahnhof ein. Mit der Zeit füllte sich die Wartehalle. Als der Zug zum Einsteigen stand, rannten die vielen bunt gekleideten Menschen mit ihrem Gepäck auf den Köpfen zum Bahnsteig. Ein schönes Schauspiel!

 


TAZARA Station

 

In teilte mir mein Schlafabteil mit zwei Niederländerinnen und einer Amerikanerin. Sophie und Flo waren auf dem Weg nach Malawi, Lindsey fuhr bis nach Sambia. In der untergehenden Sonne zogen wunderschöne Landschaften an uns vorbei.

Erst fuhren wir durch die Vororte Dar es Salaams, dann sahen wir hin und wieder Menschen mit ihren Viehherden. Als es Nacht wurde bestaunten wir den wunderschönen Sternenhimmel und schliefen mit dem Mond über uns langsam ein.

 


Schlafabteil in der 1. Klasse

 

Rums. Mit einem gewaltigen Ruck kommt der Zug zum stehen. Sophie, die Niederländerin, fällt sogar aus ihrem Bett. Erst nichts. Dann lautes Stimmengewirr aus den vorderen Waggons.

Wir stehen jetzt schon eine Weile. Lindsey und ich beschließen der Sache auf den Grund zu gehen und laufen durch alle Waggons bis wir ganz vorne ankommen.

Auf dem Weg erfahren wir, dass der Zug wohl sechs Büffel gerammt hat. Plötzlich kommt uns ein Mann entgegen, der irgendetwas blutiges in beiden Händen hält. Ein Stück weiter zerschneiden drei Männer ein Büffelbein mit einem Messer.

So langsam wird uns alles klar: Die Passagiere  nutzen die Gelegenheit und nehmen sich Fleisch mit nach Hause. Je weiter wir gehen, umso mehr Blut bedeckt den Fußboden. Wir sind fassungslos. Aber gut. Wenigstens wird das Fleisch gleich weiterverwertet.

Nach drei Stunden setzt sich der Zug wieder in Bewegung und wir versuchen trotz der Aufregung zu schlafen. Hin und wieder hält der Zug an und wir hören die Stimmen der Reisverkäuferinnen („Mchele, Mchele, Mchele“).

 


Verhungern oder verdursten kann man auf der langen Zugfahrt nicht :)

 

Es wird langsam wieder hell und die Landschaften sind unglaublich vielseitig. Mal eher trocken und staubig, dann wieder total grün und saftig. Mal fahren wir durch flache Ebenen und mal passieren wir Berge und Tunnel. Andere Tiere als Rinder sehen wir leider nicht.

Nach ziemlich genau 24 Stunden kommen wir in Mbeya an, die letzte große Stadt im Süden Tansanias vor der malawischen Grenze. Hier beschließe ich am nächsten Morgen mit den anderen weiter nach Malawi zu fahren.

 


Einer der vielen verschiedenen vorbeiziehenden Orte.

 

Die Zugfahrt mit der TAZARA war unglaublich schön und aufregend zu gleich. Bestimmt fahre ich mal wieder mit :)

Allgemeine Infos zur TAZARA

Aktuelle Preise und Fahrpläne findest du auf der Website der TAZARA. Ich habe damals für eine Liege in der ersten Klasse ca. 20€ gezahlt. Die Tickets bekommst du vor Ort am Bahnhof. Es gibt zwei Züge pro Woche, den normalen und den Expresszug (wobei dieser eigentlich auch nicht sehr viel schneller ist).

Du kannst bis nach Kapiri Mposhi in Sambia fahren oder nach Mbeya im südlichen Tansania. Von Mbeya aus, ist es nicht mehr weit bis zur malawischen Grenze.

Der Fahrplan ist nicht 100%ig ernst zu nehmen, du solltest auf jeden Fall Verspätungen einplanen.

Bist du auch Fan vom Zugfahren? Welche Strecke ist dir ganz besonders in Erinnerung geblieben? Schreib mir einen Kommentar :)

4 thoughts on “Mit dem Zug durch Tansania – die TAZARA-Line

  • Pingback: Meine erste Zugfahrt in Tansania - Ana Kwa Ana

  • Pingback: Wie kaufst du ein Auto in Tansania? | MIMI IN WANDERLAND

  • März 16, 2016 at 1:58 pm
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    Liebe Sophie,
    ich bins, Birgit aus Moshono.
    Habe gerade mal in Deinen Blog geguckt und mich sofort auf den TAZARA Artikel gestürzt. Das würde ich auch gerne mal machen und ich werde dich demnächst noch mal mündlich befragen. Ein Ziel auf meiner langen Wunschliste. Aber dafür kenne ich die Serrengeti und andere Nationalparks im Norden schon ziemlich gut. auch toll.
    Liebe Grüße von Birgit

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  • August 11, 2016 at 5:37 pm
    Permalink

    Liebe Sophie,

    ich freue mich gerade total deinen Blog entdeckt zu haben. Ich möchte gerne nächstes ein Jahr ein Praktikum in Tansania machen und anschließend habe ich es mir fest in den Kopf gesetzt mit dem Zug bis nach Sambia zu fahren. Vielen Dank für deinen Bericht, da wird die Vorfreude noch größer (falls das überhaupt noch geht…). :)

    Liebe Grüße,
    Lynn

    Reply

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