Malaria-Prophylaxe ja oder nein?

Es ist nachts. Ich bin in Mwanza und habe mich gerade in mein durchgelegenes Bett in einer preiswerten Absteige gelegt. Ich fühle mich schlapp, mir ist irgendwie kalt, und ich habe das Gefühl zu glühen. Allmählich wird mir klar, dass ich die Symptome nicht mehr ignorieren kann.  Malaria kann ich gerade wirklich nicht gebrauchen.

Aber es bringt alles nichts. Ich ziehe mich wieder an, und mache mich auf den dunklen, leergefegten Straßen auf die Suchen nach einem Piki (Motorrad-Taxi).

Im Krankenhaus mache ich einen Blut-Test: Malaria. Ich nehme für vier Tage meine Malarone-Tabletten ein. Die lädierte Packung  habe ich schon seit drei Jahren als Standby-Medikament (also für die Selbstbehandlung im Notfall) immer dabei. Dazu gibt es noch ein paar Schmerztabletten um das Fieber in den Griff zu kriegen.

Am nächsten Tag fahre ich sogar noch mehrere Stunden im Bus nach Arusha. Dann liege Ich ein paar Tage nur rum, fühle mich schwach und habe wieder Fieber. Bis es mir Tag für Tag besser geht. Alles halb so wild.

 

Ist es nun ratsam Malaria-Prophylaxe einzunehmen?

Das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann natürlich keinen medizinischen Rat erteilen, aber möchte hier meine Erfahrungen mit teilen.

Es gibt zwei Präparate, die besonders üblich sind (sowohl als Prophylaxe als auch als Standby-Medikament). Die Medikamente sind verschreibungspflichtig.

  • Lariam (ab 41€ für 8 Tabletten, 1x wöchentlich einzunehmen)
  • Malarone (ab 68€ für 12 Tabletten, 1x täglich einzunehmen)

 

Nebenwirkungen

Als ich das erste Mal nach Afrika geflogen bin, habe ich für vier Monate Lariam eingenommen und letztendlich doch Malaria bekommen. Ich habe das Präparat sehr gut vertragen, weiß aber, dass das nicht der Normalfall ist.

Verdauungsstörungen bis hin zu Albträumen und Depressionen sind tatsächlich häufige Nebenwirkungen, von denen mir viele Freunde und Mitreisende berichteten.

Allgemein wird Malarone wohl besser vertragen als Lariam. Mittlerweile würde ich nie wieder für eine so lange Zeit Malaria-Tabletten einnehmen.

 

Nicht jeder Mückenstich führt auch zu Malaria

Wenn du mal von einer Mücke gestochen wurdest, bitte keine Panik bekommen! Nicht jede Mücke infiziert dich sofort mit Malaria. Ich werde hier permanent von Mücken gestochen, das lässt sich manchmal einfach nicht vermeiden.

 

Kein 100%-iger Schutz

Die Präparate sind keine Garantie dafür, dass man keine Malaria bekommt. Man muss wirklich immer aufpassen und Mückenstiche durch Spray, Moskitonetze und entsprechende Kleidung vermeiden.

Durch eine Prophylaxe kann es aber sein, dass die Malaria in einer abgeschwächten Form auftritt und man schneller wieder auf den Beinen ist.

 

Kosten

Letztlich kann die Einnahme von Prophylaxe ganz schön ins Geld gehen, vor allem bei längeren Aufenthalten. Die Kosten werden in der Regel auch nicht von der Krankenkasse übernommen (anders als bei vielen Impfungen).

 

Auf Standby-Medikamente setzen

Seit ein paar Jahren nehme ich keine Prophylaxe mehr ein, wenn ich nach Afrika fahre, führe aber immer sog. Standby-Medikamente mit. So kann ich jederzeit reagieren, auch wenn mal kein Krankenhaus in der Nähe ist.

In den Städten und auch vielen kleineren Orten gibt es Krankenhäuser, in denen man entsprechende Medikamente bekommt.

Kleiner Tipp: Hier sind sie auch wesentlich günstiger als in Deutschland. Meinen letzten Nachschub an Standby-Tabletten habe ich für umgerechnet 10€ in Dar es Salaam gekauft (Vorsicht vor Fälschungen).

Standby-Medikamente sollte man auch bei der Einnahme von Prophylaxe mit sich führen!

 

Malaria klingt viel schlimmer als es ist

Grundsätzlich wird natürlich immer sehr viel Wirbel um Malaria gemacht. Natürlich kann es schnell gefährlich werden, wenn man nicht rechtzeitig handelt. Nicht umsonst sterben jährlich unzählige Menschen daran.

In Kenia oder Tansania ist Malaria für viele wie ein Schnupfen. „Mir geht’s heut nicht so gut, ich hab Malaria, weißt du“ höre ich hier ständig. Tests und Medikamente bekommt man eigentlich problemlos, auch in ländlichen Gegenden.

Ich selbst hatte auch schon zweimal Malaria, habe mich nach meiner Rückkehr in Deutschland im Tropeninstitut checken lassen, und es war alles in Ordnung.

Denn auch, dass man Malaria sein Leben lang nicht los wird stimmt so nicht. Es gibt einige Malaria-Typen auf die das zutreffen mag, aber das gilt (laut meines Tropenarztes) nicht für den in Afrika vorherrschenden Typen.

 

Fazit: Natürlich ist es bei Kurzzeitaufenthalten ärgerlich, wenn man eine Woche flachliegt. Ich für meinen habe Teil nehme schon seit Jahren keine Prophylaxe-Präparate mehr ein, aber habe immer Notfallmedikamente (Malarone) dabei, wenn ich die Stadt verlasse und eher in ländlichen Gegenden unterwegs oder auf Entdeckungstour bin.

 

Muss ich ein eigenes Moskito-Netz mitnehmen?

Wenn du dich damit sicherer fühlst, natürlich. Ich habe auf meiner ersten Afrika-Reise in Kenia ein Netz mitgehabt und es nicht ein einziges Mal gebraucht. Egal, ob ich bei einer Familie privat untergekommen bin oder in einem kleinen Guesthouse, Moskitonetze gab es überall – auch in ländlichen Gegenden. Manchmal sind ein paar Löcher drin, die man dann selbst schnell flicken kann. Das finde ich aber okay, wenn ich dafür nicht die ganze Zeit ein Netz mitschleppen muss, was viel Platz wegnimmt. Ich habe seither nie wieder ein eigenes Netz mitgenommen.

 

Hast du auf deinen Reisen schonmal Malaria gehabt? Wie sind deine Erfahrungen mit Prophylaxe-Präparaten?

P.S. Mehr Tipps zum Thema Gesundheit findest du hier.

5 thoughts on “Malaria-Prophylaxe ja oder nein?

    • Oktober 25, 2015 at 5:57 am
      Permalink

      Hi Florian, danke für deinen Kommentar!
      Ich hatte immer Malarone als Standby mit dabei, bis sie letztendlich zum Einsatz kamen. Jetzt habe ich Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff Mefloquine dabei, die ich hier gekauft habe.

      Du hast absolut Recht, wenn man die Gelegenheit hat, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen! Sonst kann es passieren, dass man Medikamente gegen Malaria einnimmt, obwohl man vielleicht etwas ganz anderes hat und das kann dann gefährlich werden. Es mag aber Situationen geben, in denen das nicht ganz so einfach ist, zum Beispiel auf einer Wandertour in abgelegenen Gebieten, auf dem Berg usw. Ich fühle mich dann sicherer, wenn ich für den Notfall etwas dabei habe.

      Danke für den Link, super Interview mit handfesten Infos!

      Ganz liebe Grüße,
      sophie

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  • Januar 5, 2016 at 3:29 pm
    Permalink

    Hallo Sophie,

    wir hatten beide auch schon Malaria und hatten auch Malarone als Standby dabei. Das wurde uns so vom Tropeninstitut in Berlin empfohlen. Bei Patrick hat es sehr gut geholfen. http://www.runterwegs.de/malaria-in-malawi/

    Aber als ich Malaria bekommen, hat Malarone nicht angeschlagen. In der Klinik (geführt von einer irischen NGO) haben sie mir dann Coartem (Wirkstoff: Artemether Lumefantrine) verschrieben. Das hat dann geholfen. Die Ärzte dort haben mir auch gesagt, dass Sie Malarone nur als Prophylaxe Mittel empfehlen würden und nicht als Stand-By. Wir würden in Zukunft kein Standy mehr aus Deutschland mitnehmen, sondern direkt vor Ort Coartem oder ein anderes Medikament mit demselben Wirkstoff kaufen. Im Gegensatz zu einer Malarone für knapp 70 Euro, kostet Coartem auch nur 3-5 Euro.

    Wir haben uns auch bewusst, nach einer Beratung im Tropeninstitut, gegen eine Prophylaxe entschieden, da wir die starken Medikamente nicht über mehrere Monate einnehmen möchten. Wir schlafen eben unterm Moskitonnetz und sprühen uns mit einem Repellent mit DET ein. Das gibt es auch überall in Ostafrika und südlichen Afrika zu kaufen (Peaceful Sleep oder Tabard). Muss man auch nicht aus Deutschland mitbringen.

    Wer doch Malaria-Medikamente aus Deutschland mitnehmen, übernehmen manche Krankenkassen die Kosten: z.B. die Techniker Krankenkasse.

    @Florian
    Selbstdiagnose und Selbstmedikation ist besser als gar keine Behandlung. Denn wenn man keine Medikamente einnimmt, führt die Malaria tropica zum Tod (die am meisten verbreitete Malaria-Art in Afrika). In manchen Gegenden in Afrika gibt es oft gar keinen Arzt oder Kliniken, die keine zuverlässigen Test machen können oder Ärzte mit denen man sich gar nicht verständigen kann.

    Liebe Grüße aus Südafrika,
    Verena

    Reply
    • Januar 15, 2016 at 7:05 am
      Permalink

      Hey Verena,
      danke für deinen Kommentar! Ich hatte Malarone seit meiner ersten Reise nach Kenia dabei. Als es dann zwei Jahre später zum Einsatz kam, hat es sehr gut gewirkt, aber das ist ja auch von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich denke Malarone kann man grundsätzlich schon als Stand-By mitnehmen (so war damals die Empfehlung des Tropeninsituts in Berlin und es steht ja auch in der Packungsbeilage). Mittlerweile habe ich auch eine günstige lokale Alternative dabei.

      Ich bin auch bei der Techniker Krankenkasse, aber die Kosten für Malaria-Prophylaxe haben sie bei mir leider nicht übernommen. Dafür aber Impfkosten.

      Und ich stimme dir auch zu. Selbst zu handeln ist womöglich besser als gar nichts zu tun. Wenn man die Möglichkeit hat, ist es dennoch sinnvoller erstmal zum Arzt zu gehen.

      Ganz liebe Grüße (auch aus Südafrika :) )
      Sophie

      Reply
  • April 16, 2016 at 10:42 am
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    Super Text! Ich handhabe das jetzt ähnlich. Das erste mal in Westafrika habe ich Lariam genommen und Angstzustände bekommen, das zweite mal Lariam und dann auf anraten einer deutschen Ärztin, die seit ca 20 Jahren vor Ort lebt Doxycycline. Jedoch hab ich es nach der Regenzeit wieder abgesetzt (weil ich nicht monatelang Antobiotika einnehmen wollte). Sie hat mir jedoch auch erzählt, dass Malarone am besten im Kühlschrank aufbewahrt werden sollte. Sie hat schon viele Voluntäre erlebt und die, die Malarone genommen haben, ohne es kühl zu lagern, haben trotzdem manchmal Malaria bekommen. Wenn sie kühl gelagert wurden, eher nicht. Aber das war nur ihre eigene Beobachtung (über Jahre hinweg). Und das steht so auch nicht in der Packungsbeilage…
    Meine Tropenmedizinerin in Deutschland hat mir geraten mit Prophylaxe anzufangen, um vor Ort an zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen und an die neuen Umstände zu gewöhnen, um dann zu entscheiden, ob man die Prophylaxe absetzten kann und vorsichtig ist (Mückenschutz, lange Kleidung abends, Mosiktonetz…), oder die Prophylaxe weiter zu nehmen. Aber auch dann sollte man vorsichtig sein. Und sich immer beobachten (Fieber, Gelenkschmerzen…)
    Ich für mich habe auch beschlossen nur Standby Medikamente mitzunehmen, statt Monate lang regelmäßig Medikamente zu mir zu nehmen. Ich kaufe mir auch vor Ort immer 2 Malariaschnelltest, wenn man mal einen braucht für die erste Einschätzung und gerade keine Aportheke / Krankenhaus zur Stelle ist. 2, weil die nicht immer zuverlässig sind ;). Was jedoch NIEMALS einem Arztbesuch ersetzt kann!!! Auch von Selbstmedikation würde ich nur im äußersten Notfall gebrauch machen.
    Wichtig ist auch, dass man nicht zu lange wartet, bis man zum Arzt geht, je schneller man die Malaria entdeckt, desto geringer sind die Symptome und desto schneller ist sie wieder weg. Meine Devise: lieber einmal zu viel zum Arzt oder ins Medizinische Labor gegangen, als einmal zu wenig.
    Wichtig ist, wenn man Prophylaxe nimmt beim Malariatest im Krankenhaus / Arzt / Labor darauf hin zu weisen, weil dann das Blut anders getestet wird (durch die Proqhylaxe entstehen Antikörper im Blut, die bei einem normalen Test aussehen wie aktive Antikörper, die sich gerade gegen eine Malaria wehren). Ich hoffe, das ist medizinisch richtig beschrieben, sonst gerne korrigieren. Wer genau weiß, wie diese Art des Tests heißt oder was da genau untersucht wird, darf das gerne ergänzen :).
    Ansonsten heißt es, die Zeit vor Ort genießen und auf sich Acht geben.

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